Adenotomie und Tonsillektomie können die spätere Anfälligkeit auf Allergien und Infektionen fördern

Vielen Kindern wird vor dem 10. Lebensjahr die Gaumen- und Rachenmandel entfernt. Im späteren Lebensalter erkranken sie statistisch gesehen wesentlich häufiger an einer Reihe von Infektionen oder allergischen Erkrankungen. Diese Statistik wurde durch eine epidemiologische Studie der JAMA Otolaryngology belegt.

Rachen- und Gaumenmandeln sind zusammen mit den Zungenmandeln ein wichtiger Bestandteil des sogenannten Waldeyer Rachenrings. Sie sind eine wichtige Abwehrlinie des Immunsystems gegen die unterschiedlichsten Krankheitserreger, die sich in der Atemluft bilden. Viren und Bakterien können dadurch besser abgewehrt werden. Bei Kindern und Jugendlichen kann es zu schmerzhaften Entzündungen kommen. Häufig wird von Ärzten eine medizinische Behandlung in Form einer Entfernung der entzündeten Mandeln befürwortet. Adenotomie und Tonsillektomie gehören zu den häufigsten Eingriffen, die im frühen Kindesalter vorgenommen werden.

Folgeschäden sind nicht absehbar

Bisher sind die langfristigen Auswirkungen derartiger operativer Eingriffe noch nicht ausreichend untersucht. In klinischen Studien lassen sich in klinischen Studien nur sehr schwer erfassen. Hierfür wäre eine längere Nachbeobachtungszeit erforderlich. Ein wichtiges Kriterium ist eine epidemiologische Studie, die sich sehr gut für eine Analyse der Datenbanken anbietet.
Eine gute Voraussetzung für eine derartige Studie besteht in Dänemark. In Dänemark wird jedem Einwohner eine zentrale Identifikationsnummer zugeordnet. Diese Nummer wird in den unterschiedlichsten Registern genutzt. Dadurch ließ sich bei Studien der Universität Melbourne leicht ermitteln, ob Jugendliche oder Kinder der Geburtsjahre 1979 bis 1999, bei denen bereits vor dem 10. Geburtstag eine Adenotomie oder Tonsillektomie durchgeführt wurde, bis Ende 2009 seltener oder häufiger wegen 28 verschiedener Krankheiten behandelt werden musste, als es bei den restlichen dänischen Kindern der Fall war.

Wann müssen Mandeln entfernt werden?

Viele Eltern sind verunsichert, ob es tatsächlich notwendig ist, dass die Mandeln des Kindes entfernt werden. Schließlich spielen die Gaumenmandeln eine große Rolle bei der Immunabwehr. Aus diesem Grund werden sie häufig auch als Schutzwall oder Barriere verwendet. Wer chronisch oder häufig unter einer Mandelentzündung leidet, der wird froh sein, wenn die Mandeln in Zukunft keine Schmerzen mehr auslösen. In der heutigen Zeit sind Ärzte bei diesem Thema aber etwas zurückhaltender geworden, im Gegensatz zu früher. Bei Kindern, deren Immunsystem noch nicht ganz ausgereift ist, wird nur selten eine Entfernung der Mandeln durchgeführt.

Gaumenmandeln sind ein wichtiger Filter

Mandeln werden fachsprachlich auch als Tonsillen bezeichnet. Sie sind ein wichtiger Teil des lymphatischen Rachenrings. In diesem Bereich kann auch von einem Filter gesprochen werden. Alles was durch den Mund eingeatmet oder geschluckt wird, kommt zwangsläufig an den Tonsillen vorbei. Somit werden schädliche Stoffe schnell erkannt. Die Mandeln werden durch tiefe Spalten durchzogen. Somit ist ihre Oberfläche vergrößert. Dadurch kann es schneller zu einem intensiveren Kontakt zwischen Bakterien, Viren oder Pilzen kommen. Die Mandeln werden sofort aktiv und bekämpfen die Viren und Keime. Sie melden sich gleichzeitig wie eine Art Frühwarnsystem. Mandeln tragen einen großen Beitrag zur Entwicklung eines immunologischen Gedächtnisses bei. Sie merken sich die verschiedenen Viren und Bakterien und bauen dadurch entsprechend einige Abwehrkräfte auf. Nur wenn sich die Mandeln häufig entzünden, dann sollte über eine Entfernung nachgedacht werden.

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